How to ‚Grüne Fee‘

Willkommen zum heutigen Gehirn Geisel Praktikum! Heute:
„How to ‚Grüne Fee'“ oder „Rauchst Du noch oder weißt Du’s besser?“

Zu meiner großen Erleichterung in mehrfacher Hinsicht hat die Bundesopiumstelle mir ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk vermacht, indem Sie meinem Antrag auf eine Erlaubnis nach § 3 Abs. 2 des BtMG stattgegeben hat. Seitdem darf ich ganz legal medizinisches Cannabis in der Apotheke erwerben. Diese Genehmigung hat mir den Weg geebnet, um meine starken Schübe effektiv abzufangen. Neben der Schmerzlinderung hat es bei mir zusätzlich auch sehr positive Wirkungen als Muskelrelaxant, Schlafmittel und Antidepressivum. Derzeit lindert es außerdem auch noch meine Absetzsymptomen, die mich seit dem Absetzen und Ausschleichen der Psychopharmaka. Der Preis für die marginale Wirkung der Psychopharmaka ist das Cannabis absolut überlegen und ist erheblich ärmer an Nebenwirkungen und der Gefahr der körperlichen Abhängigkeit.

Wie sich das als kleiner Nerd so gehört, habe ich mich selbstverständlich intensiv mit der Thematik im Allgemeinen aber auch im individuell Speziellen auseinandergesetzt. Von Anfang an war klar, dass ich es nicht rauchen will. Also irgendwie oral, aber wie? Kekse backen, Tee, Kakao etc. sind zwar machbar und lecker, aber fast unmöglich vernünftig zu dosieren, ganz abgesehen vom hohen Verbrauch bzw. Bedarf. Also habe ich weiter recherchiert und bin u.a. auf den Blog „Ausnahmemedizin“ eines anderen Cannabispatienten gestoßen, der hierbei äußerst hilfreich war. In Tropfenform ist die Dosierung simpel, erst recht, da das Apothekencannabis sich durch einen angegebenen und stabilen THC und CBD Anteil auszeichnet.

Durch die bessere Bioverfügbarkeit durch die orale Aufnahme und die Zusammensetzung der Trägerlösung, ist der Verbrauch erheblich geringer, was sich natürlich in den Kosten stark bemerkbar macht. Der Preis für die Trägerlösung hält sich dabei echt in Grenzen (max. 7 € für 50 ml bzw. 5 Gramm Cannabis). Wenn der Verbrauch dadurch nur um ein halbes Gramm sänke, würde es sich schon lohnen. Hinzu kommt die stabilere Wirkung, die nicht so hart und schnell anflutet wie beim Rauchen. Außerdem „riecht“ man es nur, wenn man die Lösung herstellt, sodass man auch in der Öffentlichkeit keine ungewollte Aufmerksam auf sich zieht.

Da dieser Weg für mich der beste ist, will ich heute hier ein bisschen zeigen, wie das bei mir von Statten geht, wenn ich meine ‚Grüne Fee‘ herstelle, damit andere Cannabispatienten auch davon profitieren können.
Der erste Schritt besteht natürlich in der Materialbeschaffung. In diesem Fall sind das 10 g Medizinalhanf der Sorte Bedrocan (THC 22%) und 100 ml Trägerflüssigkeit.

Trägerlösung

Die Lösung mischen mir die fleißigen Apotheker an, sodass ich Lösung und Blüten immer direkt zusammen abhole und keine Extrawege o.ä. habe. Die Rezeptur, nach der meine Lösung angemischt wird, findet man im Ausnahmemedizin-Blog (der auch darüber hinaus sehr lesenswert ist). Allerdings klappt es bei meiner Apotheke nur, wenn es in der umgekehrten Reihenfolge vermengt wird. Die Flüssigkeit ist relativ instabil, d.h. sie trennt sich schnell und ist etwas trüb, was aber keine Auswirkungen auf Sinn oder Zweck hat.

 

Werkzeug
Werkzeug: Teesieb, Pipettenflasche, Knoblauchpresse, Grinder, Minitrichter

Als Werkzeug benutze ich außerdem:

  • Backofen und Backpapier
  • Becherglas aus Kunststoff
  • Teerührstab aus Glas
  • Grinder (Alternativ Messer + Brett)
  • Minitrichter
  • Teesieb
  • Knoblauchpresse
  • Pipettenflasche (in dieser bekomme ich immer die Lösung)

Achtung, heiß und trocken!
Achtung, heiß und trocken!
Als erstes kommen die Blüten auf einem Backblech mit Backpapier locker verteilt für 20 Minuten bei 150°C in den Backofen. (Eigentlich sollten es 120°C sein, aber weniger als 150°C geht bei meinem Ofen nicht, funktioniert aber trotzdem tadellos.) Für die „Backzeit“ und die folgenden paar Stunden gut lüften! Die Geruchsentwicklung ist hierbei sehr stark. Durch das Erhitzen werden das THC etc. so umgewandelt, dass sie im Körper dann ihre Wirkung entfalten können.

In der Zwischenzeit erwärme ich die Lösung in einem heißen Wasserbad. Bitte niemals die Lösung direkt erhitzen, da diese zu einem Großteil aus hochprozentigem Alkohol besteht, was ganz böse enden kann!

Nicht lachen, niesen, prusten, husten oder sonst irgendwie reinpusten!
Nicht lachen, niesen, prusten, husten oder sonst irgendwie reinpusten!
Sobald die 20 Minuten rum sind, werden die Blüten zerkleinert. Dies geht mit einem Messer, aber eine Kräutermühle („Grinder“) liefert ein überzeugenderes und vor allem gleichmäßiges Ergebnis. Mit dem Messer wird es zum Teil zu fein, sodass es später schwer zu sieben wird.
Für mich persönlich ist durch die Schmerzen und Steifheit in den Händen der Grinder ohnehin angenehmer, da die Bewegung leichter und harmonischer ist.

Nicht dran riechen, essen oder trinken!
Nicht dran riechen, essen oder trinken!
Das gemahlene Cannabis kommt dann zur Trägerflüssigkeit in das Kunststoffbecherglas (haha…). Das ganze Gemisch wird dann ein Weilchen mit dem Glasrührstäbchen verrührt, damit die Wirkstoffe sich im Öl-Alkohol-Gemisch lösen. Anschließend wird gesiebt. Der größte Teil geht einfach mit einem feinen Teesieb zu sieben, unter dem der Minitrichter in der Pipettenflasche sitzt.
Fast trocken, nicht essbar :)
Fast trocken, nicht essbar 🙂
Um eine so große Ausbeute wie möglich zu erhalten, also so wenig Flüssigkeit wie möglich zu verlieren, gehen bei mir die feuchten Pflanzenreste durch die Knoblachpresse, sodass sie nahezu trocken sind. Das Teesieb bleibt aber auch noch hier im Einsatz, damit das Endprodukt möglichst frei von Schwebeteilchen ist, die die Pipette verstopfen können. So bleibt bei mir mitterlweile weniger als 10% der Flüssigkeit im Pflanzenmaterial zurück, ohne Knoblauchpresse waren es um die 40%. Die THC Tropfen sind an diesem Punkt fertig. Zur weiteren Benutzung komme ich später.

Trinkbar, an der Oberfläche hat sich das Öl bereits abgesetzt. Die grüne Farbe ist dem Chlorophyll ("Blattfarbstoff") geschuldet.
Trinkbar, an der Oberfläche hat sich das Öl bereits abgesetzt. Die grüne Farbe ist dem Chlorophyll („Blattfarbstoff“) geschuldet.

Um auch den letzten Rest an Wirkstoffen zu gewinnen, spüle ich mein Werkzeug (bis auf den Grinder) mit heißem Wasser ab und fange das Wasser auf, nachdem es seinen Weg durch das Teesieb gegangen ist. Damit löst die Hitze die letzten Reste THC und Öl der Lösung und verdampft den Alkohol. Dieses Wasser dient dann zum Anrühren von 3-4 Dosen. Alternativ ist auch denkbar die Pflanzenreste zu einem Muffin oder anderes Gebäck zu verbacken, aber meiner Meinung nach nicht nötig, da die wirksamen Stoffe im Grünzeug marginal bis gar nicht mehr vorhanden sind. In jedem Fall sollte aber ein Erhitzen über 65° C vorgenommen werden, um den Alkohol zu verflüchtigen, da er in der Konzentration in dieser Menge auf keinen Fall gesund ist. Die nun wieder nassen Pflanzenreste werden einfach im Biomüll o.ä. entsorgt.

Das gesamte Werkzeug kommt bei mir einfach in die Spülmaschine. Jedoch spare ich mir ein peinliches Säubern des Grinders, da er ohnehin geschlossen ist, dürfen da auch ein paar Krümel bis zur nächsten Benutzung drin verbleiben. Geht hier ja nicht um Spurenbeseitigung, sondern um Hygiene 🙂

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Dosierung: Schätzungen anderer nach entsprechen 30 Tropfen etwa 0,1 g Cannabis. Bei der Verwendung von Bedrocan (22% THC) sind das 22 mg THC. Für einen besseren Schlaf brauche ich etwa 15–20 Tropfen, Muskelentspannung mit leichter Schmerzlinderung 20–40 Tropfen und für eine 95%ige Schmerzlinderung 40–60 Tropfen. Die Menge hängt dabei von mehreren Umständen ab, die die Darmtätigkeit maßgeblich beeinflussen. Morgens benötige ich weniger als abends, nach einem üppigen Essen erheblich mehr, ein kleiner Snack hingegegen verbessert die Resorption und verschnellert den Wirkungseintritt. Logischerweise ist gar keine Nahrung kontraproduktiv, da der Darm dann gänzlich einschläft. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt wenn die Einnahme mit den Essenzeiten kollidiert, ca. 30 Minuten vor dem Essen meine ‚Grüne Fee‘ zu trinken. Da ich generell keinen Alkohol mag und mir der Geschmack der Tropfen nicht so sehr zusagt, kommen sie immer in ein Heißgetränk mit milchigem Anteil (Cappuccino, Kaffee, Chai Latte, Trinkschokolade), wodurch ich sie kaum bis gar nicht schmecke und der Alkohol verflüchtigt sich auch direkt. Generell wichtig ist die Aufnahme von etwas Fett, da das THC und andere Cannabinoide sehr gut fettlöslich sind (deshalb auch das Öl in der Lösung) und auf diesem Weg über den Darm am besten aufgenommen werden können.

Für Rückfragen/Verständnisfragen oder aber Optimierungsvorschläge bin ich gerne über die Kommentarfunktion ansprechbar!

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